Schreiben im Weltall

Schreiben im Weltall 2

Der Weltraumkugelschreiber wurde speziell für Astronautenmissionen entwickelt.

Der amerikanische Kugelschreiberfabrikant Paul C. Fisher engagierte nach anfänglichen Versuchen dafür den Österreicher Friedrich Schächter. 1967/68 erarbeitete Schächter ein Konzept und schuf gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Erwin Rath die technischen Voraussetzungen für den optimalen Weltraum-Kuli. Fisher steuerte die Spezialtinte dazu bei und übernahm die Produktion.
Die NASA wählte schließlich unter vielen vorgelegten Schreibgeräten den Fisher Space Pen aus.

1968 wurde der Weltraum-Kugelschreiber in Wien im Rahmen der Weltraum-Konferenz der Presse und einem zahlreich erschienen Publikum vorgestellt.

Paul C. Fisher und Fritz Schächter überreichten bei dieser Gelegenheit dem Sowjet-Kosmonauten und ersten Menschen im Weltraum Alexej Leonow 50 Space Pens als Geschenk. Kosmonaut Leonow bedankte sich für diese freundschaftliche Geste, indem er vor laufenden Kameras mit einem Space-Pen die Friedenstaube zeichnete.

Kosmonaut Leonow , Friedenstaube
mit Fisher Space Pen
gezeichnet, 1968,
Technisches Museum, Wien

 

Konzept und Funktion des Space-Pens

Der auch heute noch immer von Raumfahrer_innen, Kosmonaut_innen und Kenner_innen verwendete Space-Pen funktioniert so: Eine Gaspatrone am oberen Ende der Mine erzeugt den permanenten Druck von fünf atü auf die Schreibtinte. Die Kugelschreiber-Spitze konnte durch die Errungenschaften Schächters (unter anderem waren zahllose Mess- und Testreihen sowie Versuchsanordnungen nötig) außerordentlich präzise gefertigt werden. Trotzdem wäre eine normale Kugelschreibertinte bei Stillstand bzw. Lagerung langsam durch die Kanäle nach außen gepresst worden - wenn nicht Fisher eine besondere Tinte dazu beigesteuert hätte.

In einem Zeitungsinterview erzählte Paul C. Fisher, dass er das Rezept einer geeigneten viskoelastischen Tinte von seinem Vater im Traum erhielt. Diese Spezial-Schreibpaste hat kaugummi-artige Beschaffenheit; sie verflüssigt sich nur ganz vorne an der Kugel, wenn diese über eine Schreibfläche rollt.

Die Space-pen Mine schreibt auch aufwärts, unter Wasser, bei -50°C wie bei 100°C, oder auf fettigen Untergründen. Die Lagerfähigkeit einer solchen Mine stellt ebenfalls höchste Anforderungen an die Genauigkeit der Kugelschreiber-Spitzen.

Die Besonderheiten, die den Space-Pen ausmachen, scheinen heute ebenso selbstverständlich wie logisch: um in einer schwerelosen Raumkapsel schreiben zu können, musste ein Schreibstift entwickelt werden, der unabhängig von der Gravitation die Tinte auf das Papier bringt.


Ein Bleistift – dessen Mine bekanntlich aus einer Graphit-Ton-Mischung besteht – wäre für diesen Zweck ungeeignet, da die winzigen Abriebpartikel sich in der Schwerelosigkeit des Raumschiffs verteilen und elektronische Kontakte kurzschließen würden.

Jubiläums-Space pen „limited edition“
Foto: Gutruf
schematische Zeichnung,
Prospekt

 

 

 

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